Vier-Kirchen-Weg ab Wahlscheid Kirche (12,7 km)

Streckenführung: Wahlscheid (Katholische Sankt Bartholomäus Kirche im Tal), Landschaftsgarten Aggerbogen, Katholische Pfarrkirche Sankt Mariä Himmelfahrt Neuhonrath, Honsbach, Naafshäuschen, Evangelische Pfarrkirche Honrath, Gut Windlöck, Schloss Auel, Rosauel, Schiffarth, Kirchbach, Grube Pilot, Alt-Wahlscheid, Evangelische Sankt Bartholomäus Kirche auf dem Berge, Fehmelinde, Max-Weber Halle, Mathildenstift, Museumsmeile des VVW, Forum Wahlscheid, Bahnhof Wahlscheid, Wahlscheid Kirche.

Länge: 12,7 km ohne Besichtigungen, Höhenmeter auf und ab: 321 m

Diese Tour ist die Tippeltour 2015 des Heimat- und Geschichtsvereins Lohmar e.V. (HGV).

Busreisende können nach Wahlscheid gut mit der Linie 557 von Siegburg oder Overath aus gelangen. Vom Honrather Bahnhof (RB 25 Köln – Gummersbach) fährt der Bus 546 oder das AST-Taxi. Die Haltestelle heißt Wahlscheid – Kirche.

Karte der Tippeltour des HGV 2015: Vier-Kirchen-WegKarte der Tippeltour des HGV 2015: Vier-Kirchen-Weg.

Dynamische Karte im Vollbildschirmmodus: Vier-Kirchen-Weg in Open Street Maps.

Die Wanderung beginnt an der katholischen Sankt-Bartholomäus-Kirche im Tal in Wahlscheid und endet auch hier.

Die Kirche wurde 1964 erbaut und 1967 geweiht. Sie ist eine offene Kirche. Am Rande des Kirchvorplatzes steht ein Holzkreuz, hinter dem, etwas zurückgesetzt, das Pfarrhaus zu sehen ist. Über der Eingangstür ist eine kleine Statue des heiligen Bartholomäus in eine Nische eingelassen. Er beschützt alle Kirchenbesucher und auch die Wahlscheider Kirmes, die im August auf dem Platz vor dem gegenüberliegenden Forum stattfindet und von den Wahlscheider Ortsvereinen, dem Turn- und Sportverein, der Freiwilligen Feuerwehr sowie Motorsportclub, Miteinander-Chor und Verkehrs- und Verschönerungsverein organisiert wird.
In der Advents- und Weihnachtszeit bis Mitte Februar ist im weitläufigen Chorraum eine Weihnachtskrippe mit einem schwarzen Schaf als Besonderheit zu bewundern. Weihnachten 2014 kam noch ein großer Elefant dazu.

Katholische Sankt Bartholomäus Kirche im Tal in Wahlscheid Katholische Sankt Bartholomäus Kirche im Tal in Wahlscheid

Es sei darauf hingewiesen, dass wir uns hier nicht im historischen Zentrum von Wahlscheid befinden. Alt-Wahlscheid ( 1121 erstmals urkundlich erwähnt ) liegt auf dem Berg, dort, wo die evangelische Sankt-Bartholomäus-Kirche steht. In frühen Zeiten konnte das Aggertal nicht oder nur wenig besiedelt werden, weil es hier sumpfig war, denn die Agger trat oft über die Ufer. Nur kleine Ansiedlungen befanden sich im Tal. Wir stehen hier im Fliesengarten. Der Name deutet darauf hin, dass hier vor langer Zeit Ton abgebaut wurde. Die anderen Siedlungen von Wahlscheid im Tal tragen die Namen Auelerhof, Aggerhof und Müllerhof.

Wir verlassen den Kirchplatz und wenden uns auf der gegenüberliegenden Seite dem 1980 erbauten Forum Wahlscheid zu, einer Dreifachsporthalle, in der ab und zu auch Konzerte des Miteinander-Chores, des Blasorchesters Neuhonrath sowie die Adventsfeier für die Senioren, organisiert durch den Verkehrs- und Verschönerungsverein Wahlscheid, stattfinden.

Rechts neben dem Forum führt uns ein asphaltierter Weg unter der B 484 hindurch in den Landschaftsgarten Aggerbogen, der in den 1990er Jahren angelegt wurde, um die alte Auenlandschaft wiederherzustellen. In der Naturschule, die eng /in enger Kooperation/ mit Schulen und Kindergärten zusammenarbeitet, wird Kindern die Natur nahegebracht. Spaziergänger werden zur Erholung eingeladen. Langsam ist das Gelände wieder „urig“ geworden. Allerdings trüben im Sommer Neophyten wie das Drüsige Springkraut und der Große Bärenklau die Attraktivität.

Wir gehen auf die Agger zu und sehen rechts ein Bienenhaus mit Hinweistafel. Zu den vielen anderen Tafeln im Landschaftsgarten gibt es auch eine Rallye, deren Unterlagen man in der Naturschule erhalten kann.

Schafe im Landschaftsgarten Aggerbogen Schafe im Landschaftsgarten Aggerbogen.

Wenn wir die Agger erreicht haben, wenden wir uns nach rechts und überqueren eine Holzbrücke, die über einen kleinen Nebenarm der Agger führt. Dieser weist darauf hin, dass die Agger sich früher ständig ein neues Flussbett suchte. Der kleine Nebenarm ist heute ein Feuchtbiotop und bei Hochwasser auch ein Rückhaltebecken.

Hier in den Aggerwiesen standen früher kleine Eichenwälder, die das Holz für den Bau von Aggernachen lieferten. Diese Nachen wurden als Personenfähren benötigt, denn es gab noch keine Brücken. Sie dienten auch als Transportmittel für das Eisenerz, das z.B. in der Grube Pilot gewonnen wurde und bis an den Rhein geschafft werden musste, um nach Duisburg zur weiteren Verarbeitung zu gelangen. Der Ortsname Schiffarth und der Familienname Schiffbauer, der in Wahlscheid heute noch vorkommt, weisen auf das Handwerk der Nachenbauer hin.

Wir erreichen nun den alten Wahlscheider Sportplatz und die beliebte Badestelle im eigentlichen Aggerbogen. Ungefährlich ist das Baden hier wegen der Strudel nicht. In alten Zeiten soll hier einmal ein Pferd ertrunken sein. In dem Gebäude, das vom SV Wahlscheid errichtet und als Sportlerheim genutzt wurde, ist seit 1993 die Naturschule Aggerbogen untergebracht.

Im Jahr 2013 wurde die neue, elegante Fußgängerbrücke gebaut, auf die wir nun bald treffen. Sie soll Kindern und Spaziergängern den gefahrlosen Übergang über die Agger ermöglichen.

Wir gehen aber weiter geradeaus und am Ende des Landschaftsgartens leicht links wieder unter der B 484 hindurch und gelangen zum Restaurant „Auelerhof“, das sich in einem denkmalgeschützten Fachwerkhaus5 befindet und vom Kölner Millenniums-Karnevalsprinzen Ralf Günther geführt wird. Zu erwähnen ist der überaus gemütliche und urige Thekenbereich der Gaststube und ein sehr freundlicher Gastwirt.

Wir überqueren die Wahlscheider Straße und gehen geradeaus in die Straße „Im Auelerhof“. Das Haus „Im Auelerhof Nr. 2“ gleich rechts wurde laut dendrochronologischem Gutachten (Altersbestimmung nach den Jahresringen des Holzes) im Jahr 1783 errichtet.

An der nun folgenden T-Straßenkreuzung gehen wir nach links in die Straße „Auf der Bitze“ und sehen bald das Pastorat der Evangelischen Kirchengemeinde Wahlscheid auf der linken Seite. Das unter Denkmalschutz stehende Fachwerkhaus wurde 1624 gebaut. Zwischen Haus und Remise steht eine sehenswerte, prächtige alte Kastanie. Hinter der Remise stoßen wir auf den „Pastoratsweg“, dem wir nun nach links am Wald entlang folgen.

Pastorat der evangelischen Kirchengemeinde Wahlscheid, Baudenkmal der Stadt Lohmar Nr. 7 Pastorat der evangelischen Kirchengemeinde Wahlscheid, Baudenkmal der Stadt Lohmar Nr. 7

Bald erblicken wir links unten in der Wiese ein Häuschen, das alte Trinkwasserpumpwerk der ehemaligen Gemeinde Wahlscheid. Von hier unten wurde das Wasser auf den Berg in ein Bassin gepumpt und in die Wasserleitungen eingespeist. Durch den Bau der Wahnbachtalsperre wurde das Pumpwerk überflüssig und dient nur noch der Notversorgung.

Wenden wir uns ein paar Schritte weiter dem Berghang zu, erkennen wir die Spuren eines ehemaligen großflächigen Steinbruchs, der Material für den Wegebau und Fundamentsteine für Fachwerkhäuser lieferte.

Ein wenig weiter auf dem Weg finden wir links an einem Baum ein vor Jahren eingeschnitztes großes Herz direkt unter der Wanderwegmarkierung „> 3“ des Kölner Eifelvereins.

Dort, wo die Agger einen Bogen nach links macht und der Maarbach in die Agger mündet, haben wir wieder einen freien Blick in die Aggerlandschaft bis hin zur Grundschule Wahlscheid, der größten Grundschule der Stadt Lohmar.

Wir erreichen bald den Ort Neuhonrath, der mit dem denkmalgeschützten Fachwerkhaus5 in Krebsauel beginnt. Wir vervollständigen den dort neben der Haustür in den Balken geschnitzten Spruch „An Gottes Gnad und Segen…“. In früherer Zeit stand hinter dem Fachwerkhaus ein kleines Sägewerk.

Jetzt geht es weiter auf der „Schachenaueler Straße“, am Sportplatz und den Tennisplätzen vorbei immer geradeaus auf der asphaltierten Straße, bis sich der Wald rechts zur Wiese öffnet, auf der oft Schafe und Hühner zu sehen sind. Wir kommen nach ca. 200 m zum „Kämpenweg“. In der Hecke rechts oben entdecken wir ein Holzschild des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Wahlscheid „Alles im Wanderland“.

Wir folgen dem „Kämpenweg“, der dann in einem Linksbogen hoch zur katholischen Pfarrkirche Sankt Mariä Himmelfahrt führt. Diese Kirche ist 1732 bis 1738 erbaut worden, nachdem Honrath und Wahlscheid im Zuge der Reformation evangelisch geworden waren.

Katholische Pfarrkirche Sankt Mariä Himmelfahrt von der Kreisstraße aus gesehen, Baudenkmal der Stadt Lohmar Nr. 40Katholische Pfarrkirche Sankt Mariä Himmelfahrt von der Kreisstraße aus gesehen,
Baudenkmal der Stadt Lohmar Nr. 40

Das Haus neben der Kirche, erbaut aus Grauwacke, war die zweite Neuhonrather Schule und beherbergt heute die öffentliche katholische Bücherei. Für Wanderer mit Liebe zum Detail bieten sich an der Giebelwand die herrlichen Maserungen der Grauwackesteine zu einem etwas längeren Verweilen und Betrachten an.

Weiter oben auf dem Platz hat der katholische Kindergarten Neuhonrath im Gebäude der späteren katholischen Volksschule Neuhonrath seine Unterkunft gefunden.

Vom Kirchplatz gehen wir nun wieder bergab gerade auf das katholische Pastorat auf der linken Seite und ein Stück weiter auf das Pfarrheim zu. Rechts auf dem freien Platz wird im September Kirmes gefeiert.

Weiter unten führt uns unser Weg vorbei an einem hölzernen Wegekreuz durch eine kleine Gasse in Richtung Kreisstraße.

Einige Schritte nach links überqueren wir vorsichtig die viel befahrene Straße und folgen dem Wegweiser „Holl“.

An der Ecke „Kesselstraße“/„Honsbacher Straße“ steht das Wegekreuz „Honsbacher Mühle“. Eine der 140 Bänke des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Wahlscheid lädt zu einer kurzen Pause ein. Gehen wir um das Kreuz herum, entdecken wir auf der Rückseite die Inschrift: „Errichtet zur Ehre Gottes – Zum Andenken unserer Eltern – Geschwister Kockerols – 1924“.

Wegekreuz Honsbacher Mühle an der Kesselstraße Ecke Honsbacher Straße, Baudenkmal der Stadt Lohmar Nr. 112 Wegekreuz Honsbacher Mühle an der Kesselstraße Ecke Honsbacher Straße,
Baudenkmal der Stadt Lohmar Nr. 112

Wir folgen der „Honsbacher Straße“ am Wald entlang. Links befand sich früher der Stauweiher der Honsbacher Mühle, der von einem Abzweig des Hähniger Baches gespeist wurde. Schauen wir den Berg auf der linken Talseite hoch, sehen wir die evangelische Kirche Honrath.

Ein Wegekreuz an der „Von-Ley-Straße“ mit der Inschrift „Sei gegrüsst du Kreuz unsere einzige Hoffnung – Errichtet im Jahre 1888“ fällt uns sofort ins Auge und begrüßt uns in Honsbach.

Hier treffen wir auf die Fernwanderwege „Bergischer Weg“ und „Kurkölner Weg“ (X 22) des Sauerländischen Gebirgsvereins. Wir folgen diesen nicht, sondern machen noch einen Schlenker zu einem dritten Wegekreuz in Honsbach, indem wir links in die „Honsgasse“ abbiegen. Am Ende halten wir uns rechts. Versteckt hinter einer Hecke steht vor einem Fachwerkhaus mit roten Fensterläden ein etwas ungepflegtes Wegekreuz.

Wegekreuz Honsbacher Straße 34, Baudenkmal der Stadt Lohmar Nr. 110 Wegekreuz Honsbacher Straße 34,
Baudenkmal der Stadt Lohmar Nr. 110

Nach wenigen Schritten treffen wir wieder auf die beiden vorher genannten Wanderwege und folgen ihnen. Bald sehen wir auch die Holzbrücke, die uns über die Agger nach Naafshäuschen führt. Vorsichtig überqueren wir die stark befahrene Bundesstraße 484 und erreichen den Parkplatz des Landgasthofes „Naafs-Häuschen“. Auf der Speisekarte des Restaurants „Im alten Kuhstall“ erfahren wir einiges über die Geschichte des Landgasthofes seit 1824.
Heute kann man im „Naafs-Häuschen“ nicht nur gut essen und übernachten, sondern sogar heiraten. Eine Nebenstelle des Standesamtes Lohmar macht’s möglich.

Am Ende des Parkplatzes folgen wir dem Hinweisschild nach Honrath den Berg hinauf und weiter der Markierung des „Bergischen Weges“. Auf dem Berg angekommen, stehen wir im „Zentrum“ von Honrath. Rechts befindet sich der Kindergarten, der in der ehemaligen Volksschule von Honrath untergebracht ist. Das Gebäude aus dem Jahr 1929 steht unter Denkmalschutz. Links erwartet uns die evangelische Kirche, die erstmalig 1209 urkundlich erwähnt wurde. Ungewöhnlich ist ihre Ausrichtung: Der Eingang befindet sich an der Ostfront, der Altar im Westteil der Kirche. Der Kirchturm war früher mit der nebenstehenden Burg Honrath verbunden5. Bei genauem Hinsehen erkennt man in der Mauer der Burg den früheren Zugang. Die Kirche ist wegen ihrer guten Akustik unter Musikern und beim WDR sehr beliebt.

Evangelische Pfarrkirche Honrath, Baudenkmal der Stadt Lohmar Nr. 41 Evangelische Pfarrkirche Honrath, Baudenkmal der Stadt Lohmar Nr. 41

Neben dem Turm steht ein Kunstwerk aus der Reihe „Kunst in Honrath“, ein weiteres finden wir gegenüber vom Parkplatz, eine Weltkugel aus Draht, in der zwei Menschen zu erkennen sind. Die Installation trägt den Namen „Homines sumus“ – „Wir sind Menschen“ und ist eins von ca. 50 Kunstwerken, die in Honraths Vorgärten zu bewundern sind.
Wir gehen weiter hoch zum Friedhof. Am Eingang rechts finden wir eine Gedenkstätte für die im Zweiten Weltkrieg bei der Bombardierung eines Munitionszuges am Bahnhof Wahlscheid umgekommenen Zwangsarbeiter.
Auf dem Rückweg von hier zum „Peter-Lemmer-Weg“ können wir die Burg Honrath in ihrer vollen Größe überblicken. Sie wurde wie die Kirche erstmals um 1209 erwähnt.

Burg Honrath, Baudenkmal der Stadt Lohmar Nr. 2 Burg Honrath, Baudenkmal der Stadt Lohmar Nr. 2

Auf dem „Peter-Lemmer-Weg“, der als „Bauernhofweg“ mit der Nummer 18 markiert ist, wandern wir weiter in Richtung Windlöck, am evangelischen Pfarrhaus, ganz aus Grauwacke gebaut, und am Peter-Lemmer-Haus, dem Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde Honrath vorbei. Hier öffnet sich vor uns bald das Gelände des Golfplatzes mit einem grandiosen Ausblick ins Bergische Land und ins Rheintal mit Siebengebirge und Eifel.

Aber noch kurz zurück zu Peter Lemmer. Er war einer der bedeutendsten Pfarrer in Honrath. Sein Leben und Wirken können wir in einer Festschrift, die bestimmt im Gemeindebüro erhältlich ist, nachlesen.

Nun geht es leicht bergab nach Gut Windlöck. Vor dem Fachwerkhaus, das im Jahr 1664 erstmals urkundlich erwähnt wird, führt der Weg am Waldrand entlang hinunter nach „Schloss Auel“. Unten im Tal erreichen wir die gepflegte Anlage mit Fischteichen und Kastanienalleen. Wir überqueren eine kleine Holzbrücke und werfen einen Blick in die Schlosskapelle, die dem heiligen Johannes von Nepomuk geweiht ist. Die Kapelle ist ein beliebter Ort für Hochzeiten. Die Liste der Prominenz, die in Schloss Auel übernachtet hat, ist lang. Genannt seien hier Napoleon und Zar Alexander. Das Schloss wurde 1763 unter Peter Josef von Proff auf altem Grundriss errichtet. In der Erbfolge ging es von der Familie Proff an die Familie von Doetsch zu Firmenich und dann an die Familie von Broe über. Heute befindet sich das Schloss im Besitz der Familie von La Valette St. George.

Wir gehen nun wieder zurück auf den „Bauernhofweg“ und durch eine Kastanienallee zum Gut Rosauel, einem ehemaligen Bauernhof, der zum Schloss Auel gehörte.

Fachwerkhaus Gut Rosauel, Baudenkmal der Stadt Lohmar Nr. 114 Fachwerkhaus Gut Rosauel, Baudenkmal der Stadt Lohmar Nr. 114

Bevor wir die Kreisstraße überqueren, sehen wir rechts unter Hainbuchen ein schlichtes Wegekreuz, daneben wieder eine Bank des Verkehrs- und Verschönerungsvereins. Es geht weiter am Golfplatz entlang bis zum Kuhlfeldweg. Unsere Wanderung führt uns links Richtung Wahlscheid zwischen der Neubausiedlung Wahlscheid-Nord und dem Golfplatz hindurch.

Der Weg wird an einem Wendehammer zur Straße. Hier können wir rechts auf einem schönen, aber bei Regenwetter matschigen Weg hinter der Pferdeklinik bis zum Steffensbach gehen. Dort links kommen wir wieder auf den „Bauernhofweg“, der rechts leicht bergauf über dem Aggerbogen weiterführt.
Wer den asphaltierten Weg wählt, kommt zur Straße „Hammerwerk“ und biegt dort rechts ein. Das Hammerwerk ist schnell zu erkennen. In der Halle mit der großen Uhr stand der fauchende und dumpf tönende Eisenhammer. Er weckte früher die Wahlscheider Bevölkerung meist schon um sechs Uhr in der Frühe. Die Familie Wilhelms verarbeitete in ihrem Betrieb Stahl zu Gabelstablerzähnen, bis sie ihn an eine englische Firma verkaufte.
Verschiedene kleinere Betriebe haben heute hier Unterkunft gefunden.

Links verlockt bald die neue Hängebrücke aus dem Jahr 2013 dazu, die Tour abzukürzen und durch den Landschaftsgarten zum Forum vorzeitig zu beenden. Wir bleiben aber standhaft auf dem Weg über dem Aggerbogen und wollen auch die vierte Kirche erwandern.

Bei sehr viel Glück kann man im Aggerbogen sogar den Eisvogel und in der Abenddämmerung Fledermäuse beobachten.

Badestelle am Aggerbogen über die Agger gesehen Badestelle am Aggerbogen über die Agger gesehen

Wir gehen im Bogen links Richtung Agger und verlassen den „Bauernhofweg“, der hinauf nach Spechtsberg führt. Informationstafeln begleiten uns, bis uns am Ende des Waldweges ein kleiner Steinbruch auffällt, ein beliebter Nistplatz für Vögel.

In Schiffarth angekommen, werfen wir einen Blick rechts über den Zaun. Hier arbeitet ein Künstler, wie wir an den verschiedenen Ausstellungsstücken in seinem Garten erkennen können.

Auf der Kreisstraße biegen wir links in Richtung „Aggerschlösschen“. Vielleicht gibt es den Wunsch nach einer kurzen Rast im Biergarten an der Agger?
Gegenüber dem Restaurant, direkt an die Brücke angeschmiegt, steht das ehemalige Brückenhäuschen für den Fährmann, der früher mit seinem Nachen die Leute über die Agger beförderte.

Wir gehen über die 2014 neu gebaute Aggerbrücke und sofort nach rechts über den Parkplatz auf den neuen Fuß- und Radweg. Der asphaltierte Weg passiert das Wahlscheider Klärwerk, das bald seine Arbeit einstellt und abgerissen wird, denn die Kanalisation wird bis ins Klärwerk nach Lohmar verlängert.

Wir erreichen Kirchbach, überqueren vorsichtig die B 484 und biegen ein paar Schritte weiter sofort am Wald rechts mit der Straße „Grube Pilot“ ins Kirchbachtal ein. Hier finden wir Ruhe. Wenn ein verwunschenes Fachwerkhaus, das ehemalige Maschinenhaus der Grube Pilot, im Wald vor uns auftaucht, stehen wir auf dem Gelände der ehemaligen Grube, deren letzte Betriebsperiode 1918 endete. Ein Stollenmundloch ist von der Straße aus zu sehen, die hier einen Bogen macht. Es diente dem Bergwerk zur Entwässerung und Luftzufuhr. Der Zugang zum Bergwerk erfolgte etwas höher, dort, wo das alte Steigerhaus steht.

Wir gönnen uns diesen kleinen Abstecher bis zum Stollenmundloch, gehen die paar Schritte zurück in Richtung Fachwerkhaus und „erklimmen“ nach wenigen Metern den Weg hoch zur evangelischen Sankt-Bartholomäus-Kirche auf dem Berge. Vor uns liegt nun rechts die Rückseite des 1981 eingeweihten Gemeindehauses. Es wurde nach dem bekannten Dichter und Komponisten Matthias Claudius benannt. Das Abendlied „Der Mond ist aufgegangen“ begleitet uns beim Rundgang über das Kirchengelände. Der Kirchplatz wurde 1990 nach einem Umbau Berta Lungstras gewidmet, wie wir auf einem Schild am alten Küsterhaus lesen können. Der Turm der Kirche, die urkundlich erstmalig 1166 erwähnt wurde5, ist offen, die Kirche selbst aber geschlossen. Sie beherbergt einige wertvolle Gegenstände: den romanischen Taufstein, Bilder von Hans Günther Schirner, eine von Walter Heinrich Putfarken gemalte Holzdecke und die von Hermann Gottfried geschaffenen und von der Firma Heinrich Oidtmann gefertigten Kirchenfenster. Durch zwei in die Zwischentür eingesetzte Glasscheiben kann man bei gutem Licht die Kunstwerke in der Kirche bewundern.

Evangelische Sankt Bartholomäus Kirche auf dem Berge in Alt - Wahlscheid, Baudenkmal der Stadt Lohmar Nr. 14

 

Evangelische Sankt Bartholomäus Kirche auf dem Berge in Alt - Wahlscheid, Baudenkmal der Stadt Lohmar Nr. 14 Evangelische Sankt Bartholomäus Kirche auf dem Berge in Alt – Wahlscheid,
Baudenkmal der Stadt Lohmar Nr. 14

Im Turm liegt das Gedenkbuch der im Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten in einer Fensternische. Wir sind auch eingeladen, eine Kerze anzuzünden.
Verlassen wir den Turm und wenden uns nach links, sehen wir weiter hinten einen großen Grabstein an einer Steinmauer. Dies ist die Grabplatte des Blankenberger Amtmannes Dr. Wilhelm von Gülich. Die dazugehörende Grabplatte der Sibylla von Markelsbach genannt Allner ist in Haus Dorp in die Wand des Wirtschaftsgebäudes eingelassen. Beide Grabplatten befanden sich ursprünglich auf dem kleinen Privatfriedhof der reformierten Familie von Gülich hinter dem Herrenhaus Haus Dorp.

Je nach Lust und Laune treten wir durch die Friedhofspforte und suchen das Grab der an den Verletzungen beim Luftangriff auf den Wahlscheider Bahnhof gestorbenen neunzehnjährigen Irmgard Söhngen auf Gräberfeld B 9. Es liegt zwei Gräber neben dem Grab des Unbekannten Soldaten.

Gehen wir nun auf der anderen Seite um die Kirche herum, fällt uns die Bronzeglocke mit den Namen der im 1. Weltkrieg gefallenen Soldaten aus Wahlscheid auf. Wir treffen auf weitere alte Grabsteine vor der Steinmauer. Dahinter steht vor dem Gasthaus und Hotel „Zur alten Linde“, in dem man auch sehr gut einkehren kann, die ca. 500 Jahre alte, knorrige Femelinde, unter der Gericht gehalten wurde. Heute wird hier einmal im Jahr nach der Wahlscheider Kirmes Gericht über den Kirmeskerl (Nubbel) gehalten. Er hat während der Kirmes am Forum alle Sünden auf sich genommen und wird natürlich verbrannt.
In Wahlscheid ist das Hauptfest des Dorfes die Kirmes und nicht der Karneval.

Wir gehen zurück zum Kirchplatz mit der 1990 gepflanzten neuen Linde und rechts hinunter zur „Bartholomäusstraße“. Quer über den Parkplatz oder in einem kleinen Linksbogen folgen wir der „Diemstraße“. Eine lange Auffahrt, rechts langsam ansteigend, führt uns, wenn wir möchten, zur ehemaligen Volksschule von Wahlscheid. Dort gab es, nachdem in Kriegszeiten einige katholische Familien nach Wahlscheid gezogen waren, einen weißen Strich auf dem Schulhof, um katholische und evangelische Schüler zu trennen. Ältere Wahlscheider können sich noch daran erinnern.
1980 wurde die Gemeinschaftshauptschule Wahlscheid aufgelöst. Seit 1988 befindet sich in dem Gebäude das evangelische Montessori-Kinderhaus.
Wir folgen der „Diemstraße“ weiter und kommen zur „Max-Weber-Halle“, deren Grundstein am 4. November 1956 gelegt wurde und die heute noch vom Turnverein Wahlscheid 1921 e.V. getragen wird. Max Weber war über viele Jahre Vorsitzender des Vereins. Weit über die Grenzen des Rhein-Sieg-Kreises bekannt sind die erfolgreichen Faustballmannschaften der Damen und Herren des TV Wahlscheid.

Am Ende der „Diemstraße“ steigen wir links hinab über eine Steintreppe ins Tal. An der „Münchhofer Straße“ angekommen, gehen wir rechts bis zur Straße „Neuemühle“, überqueren den Hohner Bach, gehen am Bach entlang und die Treppe hoch zur „Sternstraße“. Oben treffen wir auf den „Heiligenstock“. An der Kreuzung steht rechts ein hölzernes Wegekreuz, das nach einer Schändung mit einer Plexiglasscheibe geschützt wurde.

Geradeaus führt uns die „Bergstraße“ hinunter auf die „Mathildenstraße“, wo wir einen ersten Blick auf die Altenwohnungen des Evangelischen Altenheims Wahlscheid haben, auf dem „Rösemich“ erbaut, wie der alte Flurname besagt. Das Altenheim, das uns beim Weitergehen immer präsenter wird, ist aus dem Haus hervorgegangen, das Wilhelm Frackenpohl aus Kreuznaaf 1903 zum Gedenken an seine Frau Mathilde samt Garten, Ackerland und 10.000 Mark gestiftet hat. Das heutige Haupthaus wurde 1951 unter Pfarrer Fritz Pleuger errichtet und 2003 umfassend umgebaut. Die 34 Altenwohnungen, die ein kleines Dorf bilden, kamen 1986 dazu. Auch heute wird das Haus gerne noch „Mathildenstift“ genannt.

Mathildenstift [Evangelisches Altenheim Wahlscheid]Mathildenstift [Evangelisches Altenheim Wahlscheid]

Rechts von uns erstreckt sich nun ein großer Spielplatz. Der gesamte Platz ist nach unserer französischen Partnerstadt Pompey „Pompeyplatz“ benannt worden. Nostalgie kommt beim Blick auf das Wohnhaus Nr. 7 auf, in dem früher die Post untergebracht war, als der Postbote noch Zeit hatte, die Postkarten zu lesen, und man am Briefmarkenautomaten noch die Kurbel drehen durfte. Links daneben befand sich im Haus Nr. 5 die Warengenossenschaft Wahlscheid. Im Zuge der zurückgehenden Landwirtschaft in und um Wahlscheid wurde sie geschlossen. Beim Blick auf die Uhr des Hauses Nr. 3 auf der Ecke stehen wir vor dem alten Rathaus von Wahlscheid. Von hier aus wurde bis 1969 die selbstständige Gemeinde Wahlscheid „regiert“. Heute erinnert noch der Name „Rathausflöhe“ des dort seit 1970 untergebrachten Kindergartens an die vorherige Nutzung. Links unterhalb des „Mathildenstiftes“ taucht jetzt der Fahrstuhlturm auf, der die Wohnbereiche mit der „Shopingmeile“ von Wahlscheid verbindet. Er wurde 2004 im Rahmen des Tages der offenen Tür eingeweiht.

An der „Wahlscheider Straße“ wenden wir uns nach links. Das „Café Mozart“ lädt auf der anderen Straßenseite zu einer verdienten Rast ein. Etwas weiter erblicken wir die „Museumsmeile“ des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Wahlscheid e.V.. Ein Nachen erinnert an den Schiffsbau, eine Lore an den Bergbau, ein Pflug an den Ackerbau und die Skulptur eines Schürgers an den früher üblichen Lastentransport und gleichzeitig an die Tradition des Schürreskarrenrennens zur Wahlscheider Kirmes. 2015 ist ein Gedenkstein an die Opfer des Luftangriffes im Jahre 1945 auf den Bahnhof hinzugekommen.
Wenn unsere grauen Zellen noch aufnahmefähig sind, studieren wir die informativen Hinweistafeln.

Wir erreichen wieder das Forum Wahlscheid und die katholische Kirche, werfen aber noch einen Blick geradeaus auf das alte Bahnhofsgebäude.

Bahnhof Wahlscheid, Baudenkmal der Stadt Lohmar Nr. 46 Bahnhof Wahlscheid, Baudenkmal der Stadt Lohmar Nr. 46

Hier hielt das „Luhmer Grietche“ am 15.10.1884 zum ersten und 1960 zum letzten Mal. Direkt an der Giebelwand ist seit kurzem eine Repoduktion des alten Bahnhofsschildes „Wahlscheid“ angebracht. Am Bahnhof befindet sich auch die Angabe für die Höhenlage Wahlscheids: 74 m über NN. Diese Markierung können wir leider nicht sehen.

Bahnhofsschild Wahlscheid an der GiebelwandBahnhofsschild Wahlscheid an der Giebelwand.

Das Lied „Auf der schwäbschen Eisenbahne“ begleitet uns auf unserem Heimweg.

Text: Hans-Martin Pleuger und Hermann Wenzel

Fotos: Archiv des VVW und Hermann Wenzel

Weitere Fotos des Vier-Kirchen-Weges in meinem Flickr-Album:
Bilder vom Vier-Kirchen-Weg.

Diese Wanderung ist in den Lohmarer Heimatblättern, Heft 29, Novemvber 2015 erschienen.

Der GPX-Track ist in Open Street Maps aufrufbar: Vier_Kirchen_Weg.gpx

Weiterführende Literatur und Internetseiten:

  1. Doro u. Rainer Gottwald, Alles im Wanderland Band 1,
    Verlag J. P. Bachem, Köln 1999, ISBN 978-3-7616-1412-9 (nur noch antiquarisch).
    Mehr Information zum Buch auf meiner Seite:
    Gedrucktes über die ländliche Stadt Lohmar.
  2. Gerd Streichardt: Wenn Steine reden – Wegekreuze in Lohmar,
    Verlag ratio-books, Franz König, Lohmar 2011, ISBN 978-3-939829-23-2.
  3. Albert Seemann: Metallerz-Bergbau im unteren Aggertal,
    Selbstverlag, Lohmar 1990.
    Mehr Information zum Buch auf meiner Seite:
    Gedrucktes über die ländliche Stadt Lohmar.
  4. Bernhard Walterscheid-Müller: Die Schulen von Wahlscheid, – Neuhonrath, – Honrath
    Herausgeber Heimat und Geschichtsverein Lohmar 1987, ISBN 3-94268-05-3.
    http://www.hgv-lohmar.de
  5. Horst Hohn: Baudenkmäler der Stadt Lohmar,
    Verlag ratio-books, Franz König, Lohmar 2012, ISBN 978-3-939829-35-5.
  6. Lohmarer Heimatblätter, diverse Hefte, Heimat- und Geschichtsverein Lohmar e.V.,
    Lohmar 1986 – 2014, ISSN 0931-0649.
    http://www.hgv-lohmar.de

Lohmar.de, die Stichworte

Wikipedia.de:

Headerbild: Die Fischteiche bei Schloss Aul auf dem Weg von Gut Windlöck nach Schloss Auel im Dezember 2013.

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